Veddel war als Große und Kleine Veddel der Name zweier früherer Elbinseln auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Veddel im Bezirk Hamburg-Mitte. "Veddel" bedeutete vermutlich einmal soviel wie "Weideland", der Begriff erinnert daran, daß auf den Inseln des Stromspaltungsgebietes zwischen Süder- und Norderelbe Viehhaltung und Milchwirtschaft vorherrschten. Erst in den 1880er Jahren wurden hier weiträumig Hafen- und Industrieanlagen errichtet, und das Grünland verschwand. Auf der nördlich benachbarten Insel Peute begann Anfang des 20. Jahrhunderts der Aufbau der Kupferhütte der Norddeutschen Affinerie (--» Affi), die heute weite Teile auch der Veddel einnimmt. Ende der 1920er Jahre entstand die Großsiedlung Veddel.

verbast ist, wer plötzlich dumm aus der Wäsche guckt, vielleicht weil er gerade durch eine unerwartete Nachricht wie vor den Kopf geschlagen ist.

verholen ist ein Begriff aus dem Hafen. Er bedeutet, daß ein Schiff von einem Liegeplatz an einen anderen gebracht wird. Wer dagegen z.B. in einer Kneipe die Aufforderung erhält, sich "zu verholen", sollte zusehen, daß er das Lokal alsbald verläßt, denn es heißt natürlich nichts anderes als: "Verschwinde!"

verjacksen heißt "verprügeln" --» Jackvoll

verklären Wem eine Sache "verklart" wird, dem wird sie erklärt. "Aufklaren" heißt in der Seemannssprache eigentlich "aufräumen" bzw. "alles in gute Ordnung bringen". Wenn es an Land einmal plattdeutsch heißt: "Alls klar!" ("kloa"), ist alles Wesentliche besprochen und verstanden worden, alles ist in Ordnung, und nichts mehr muß zu der betreffenden Angelegenheit gesagt werden.

verknusen Wer eine Speise nicht verknusen kann, der verträgt sie nicht oder hat Schwierigkeiten, sie zu verdauen.

Das Wort wird auch im übertragenen Sinne auf eine Angelegenheit angewandt, die jemandem nicht schmeckt, die er nicht ausstehen kann.

verrmuddelt hat man etwas, wenn man erkennen muß, daß es sich inmitten einer selbstverschuldeten Unordnung als unauffindbar erweist (--» muddelig).

verpulen --» beipulen und verpulen

verrüschen Wer verrüscht wird, wird "verpackst" oder "kricht Kloppe".

vertüdelt oder vertütert Wem dies passiert, der hat sich verheddert, findet durch eine Sache nicht mehr durch, ist --» in Tüdel gekommen. Man findet den Anfang oder das Ende z.B. eines zum Knäuel gewordenen Fadens nicht mehr, oder beim Spiel mit dem --» Tüdelband naht das Ende. Aber auch im übertragenen Sinne kann von einer Angelegenheit "das Ende von wech" sein, und man ist in einem Gedanken oder einer Rede völlig durcheinandergekommen.

Vierlande Die namengebenden Vier in Hamburgs südöstlichen Elbmarschen sind Kirchwerder, Neuengamme, Curslack und Altenwerder. Diese alten, an Deichen entlang gelegenen Straßendörfer bilden samt ihrer Feldmark die Vierlande. Bis 1868 gehörten sie zum --» beiderstädtischen Amt Bergedorf. Ihr fruchtbarer Boden wird von den ehemaligen Elbarmen der Dove- und Goseelbe unterteilt. Gemüse- und Schnittblumenanbau prägen das Bild, In ganz Hamburg war die Tracht der Vierländerinnen bekannt, die sie noch im frühen 20. Jahrhundert auf dem Hamburger Großmarkt am --» Meßberg beim Verkauf ihres Gemüses trugen.

vigeliensch, vigelant und ausklaviert Die Violine (plattdeutsch: Vigelien) ohne Kratzen und Quietschen zu spielen ist eine feine, aber schwierige Sache, die lange gelernt sein will. Daher ist es kein Wunder, daß sich zur allgemeinen Bezeichnung von komplizierten Angelegenheiten das Wort "vigeliensch" gebildet hat. Wer etwas vigelant (wiggelant) hin bekommen hat, hat es geschickt eingefädelt, oder ausvigeliert, woraus wiederum "ausklaviert" wurde.

Vizeleitet sich ab von dem lateinischen Wort "vice" (an der Stelle von), verselbständigte sich und bedeutet heute generell Stellvertreter. im Hafen bezeichnet "Vize" den Vorarbeiter, der "Stauervize" beaufsichtigt das korrekte Stauen der Transportgüter durch die --» Schauerleute. Im Plattdeutsch des Dichters Gorch Fock (eigentlich Johann Wilhelm Kinau, 1880-1916) ist der "Viez" der Stellvertreter des Hauswirts.

Vorsetzen lautet seit dem späten Mittelalter der Name einer Straße in der Neustadt zwischen Johannisbollwerk und Baumwall am Niederhafen. Der Name ist wörtlich zu nehmen, da zur Sicherung der Uferseite gegen Ausspülungen Eichenbohlen in der Art einer Spundwand vorgesetzt wurden. Dadurch konnten Schiffe direkt am Ufer festmachen. Über der Straße verläuft das Viadukt für die U-Bahn (siehe --» Ringbahn). Kurz bevor der Straßenverlauf Richtung St. Pauli-Landungsbrücken ein wenig nach Norden abknickt, liegt der Zugang zur Überseebrücke, an der auch das weithin sichtbare Hamburger Museumsschiff "Cap San Diego" festgemacht hat. Früher reihte sich an den Vorsetzen eine Hafenkneipe an die nächste, und ein alter --» Schnack lautete: "Gute Vorsätze scheitern nach dem dritten --» Grog an den Vorsetzen!"