Tatsache wahr oder Ehrenwort wahr sind vor allem unter Jugendlichen Beteuerungsformeln der höchsten Stufe, wenn also der Sprecher noch stärker als mit "bestimmt" oder "gaanzbeschtimmp!" die Richtigkeit seiner Rede gegen eventuell geäußerte Zweifel behaupten will.

Tele-Michel ist, in Anspielung auf den Turm des --» Michels, der volksmündliche Name des Hamburger Fernsehturms, der wiederum in offizieller Schreibweise Heinrich-Hertz-Turm heißt. Wie die Plakette am unteren Turmschaft ausweist, ist er nämlich dem berühmten Physiker (1857-94), einem "Sohn der Stadt Hamburg", gewidmet. Der Turm selbst mißt 204 Meter, mit Antenne sind es 271,5 Meter. 1968 begann nach dreijähriger Bauzeit der Sende- und Empfangsbetrieb. In über 100 Meter Höhe liegen die Aussichtsplattform und ein sich stündlich um 360 Grad drehendes Café-Restaurant.

Terrasse lautet in Hamburg die Bezeichnung für geschlossene Kleinwohnungsanlagen, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Beseitigung der Wohnungsnot der wachsenden Industrie- und Hafenarbeiterschaft in Hinterhöfen angelegt wurden. Entstand dabei eine gerade Verbindung zu einer zweiten Straße, wurde die Anlage auch "Passage" genannt. Zahlreiche Terrassen und Passagen sind heute bereits wieder aus dem Stadtbild verschwunden. Die von der Patriotischen Gesellschaft (--» Patrioten) angeregte Jägerpassage in der Wohlwillstraße ist eines der ältesten erhaltenen Beispiele aus der Frühzeit des deutschen Arbeiterwohnungsbaus (1866-69). Erhalten sind die Falkenried Terrassen im Stadtteil Hoheluft-Ost sowie die Anlagen im Schrammsweg in Eppendorf (631 Wohnungen) und am Mühlenkamp in Winterhude (295 Wohnungen).

Tesa-Film ist zwar längst kein Hamburger Begriff mehr, aber er ist hier entstanden, und zwar als Markenname der Firma Beiersdorf. Seit 1897 produzierte sie das technische Klebeband Citoplast, das 1936 einen neuen Namen erhielt. Die Sekretärin Elsa Tesmer stellte vier Buchstaben zur Verfügung, und "tesa" war geboren.

Das Unternehmen Beiersdorf geht namentlich zurück auf den seit 1880 in der Neustadt ansässigen Apotheker Paul C. Beiersdorf. 1882 meldete er ein Herstellungsverfahren für medizinische Heftpflaster zum Patent an. 1901 kam das medizinische Selbstklebepflaster Leukoplast auf den Markt, 1922 Hansaplast, 1909 der Lippenpflegestift Labello und 1911 die NIVEA-Creme. Die Beiersdorf AG, zu der 68 selbständige Tochterfirmen in 50 Ländern gehören, setzte 1996 fast 5,8 Milliarden DM um und beschäftigt weltweit über 17300 Mitarbeiter.

Thetje oder Tedsche steht für hochdeutsch Theodor. Ein in Hamburg lange Zeit sehr bekannter Ausspruch lautete: "Thedje mit de Utsichten". Er geht zurück auf ein erfolgreiches, 1885 am heutigen St.-Pauli-Theater aufgeführtes Schauspiel mit dem Titel "Familie Eggers oder: Eine Hamburger Fischfrau". Darin wurde dem Hafenarbeiter Thetje Eggers, der Hauptfigur des Stücks, wiederholt die Frage gestellt: "Na Thetje, hast all Arbeit?" Seine Antwort "Nee, Arbeit nich - ober Utsichten!" Wurde als "Thetje mit de Utsichten" geflügeltes Wort und spöttischer Kommentar zu ungewissen Projekten und Vorhaben.

Tor zur Welt Der --» Schnack, daß Hamburg das Tor zur Welt sei, dürfte in ganz Deutschland bekannt sein. Allein, es weiß in Hamburg niemand, wann er denn entstanden ist, vermutlich jedoch kaum vor der Zeit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, auch wenn das Tor zu der Burg im Hamburger Wappen schon früher zu entsprechenden Assoziationen hätte einladen können. Zur Feier des 750. --» Hafengeburtstages 1939 war "Hamburg - das Tor zur Welt" erstmals offizieller Werbespruch der Stadt.

Tran, Trahn, Träne und Trantüte "Flensen" nennen die Walfänger das Heraustrennen der Speckschicht des erlegten Wals. Durch Kochen des Walfetts wird Tran hergestellt, der im 19. Jahrhundert ein wichtiger Brennstoff für Lampen wurde und das Rüböl ablöste (--» Krüsel).

Wer jedoch "in Tran war", der war eigentlich volltrunken, denn, wie Michael Richey 1755 festhielt, "Trahn, Trähnken" stand auch für "Tröpfchen", und aus dem "man eben een Trähnken to sick nehmen" konnte schnell mehr und dann ein Vollrausch werden. Dementsprechend erklärte der verdiente Wortforscher "Trahn-Trine: trieff-äugichte Brannteweins-Schwester".

Mit seinem langen a ist "Traan" die plattdeutsche "Träne", während "Trantüte" oder --» "-büdel" langweilige, langsame Menschen bezeichnet. Eine einigermaßen pietätlose bis mittelböse Verbindung zwischen der Träne, dem Zeichen der Trauer, und einer Trantüte, dem Langweiler, läßt sich bei dem Publizisten und ehemaligen --» Jan Maat Harry Reuss-Löwenstein finden. In "Wer zuletzt lacht ...!" (1955) heißt es nach einem Todesfall: "Hätte der Tüffel (...) sie nicht schon längst heiraten können? Ehe er abgeschrammt war? Jetzt könnte sie hinterher flöten! Du langweilige Trantüte!

Trichter war nacheinander der legendäre Name von insgesamt drei Gastronomien und somit begriffliches Wahrzeichen für das Amüsierviertel an Spielbudenplatz und --» Reeperbahn. Der erste "Hamburger Trichter" wurde 1805 am Millerntor erbaut. Es handelte sich um einen hölzernen Erfrischungspavillon mit Spitzdach. Nach seiner Zerstörung 1813 eröffnete er 1820 als "Ballhaus Trichter" erneut. Er diente jahrzehntelang als Domizil eines erfolgreichen Revuetheaters 1889 eröffnete an dessen Stelle "Hornhardt's Etablissement" in einem prächtigen Neubau mit einer großen Kuppel über einem achteckigen Grundriß. Nach zeitweiligem Leerstand hieß der Bau um etwa 1920 wieder "Trichter" und bestand trotz starker Kriegszerstörungen noch bis 1958 als Ballhaus fort.

Trostbrücke heißt die geschichtsträchtige Brücke, die die bischöfliche Altstadt mit der um 1189 gegründeten gräflichen Neustadt verband. Als "Pons Trostes" ist sie erstmals 1266 erwähnt. Ihre Benennung hat nichts mit "aufmuntern" oder "trösten" zu tun, sondern geht vermutlich auf einen Mann namens Trost zurück, dem hier ein Grundstück gehörte. Die zwei Standbilder auf der 1881-83 erneuerten Brücke schuf der in Hamburg vielbeschäftigte Bildhauer Engelbert Peiffer. Sie zeigen den Bischof Ansgar als Stadtherrn der Altstadt und Adolf II. von Schauenburg als Gründer der Neustadt.

Tschä --» Ja

tschintschen Eine Angelegenheit wird "getschintscht", wenn sie auf eine Art und Weise zustande kommt, die nicht dem eigentlichen, dem "offiziellen" Weg entspricht. Im Vorfeld könnte es zum Beispiel geheißen haben: "Laß ihn das man machen, der hat gute Kontakte, der tschintscht das schon." "Tschintschen" leitet sich ab von dem englischen Wort "change" (= wechseln), ist seit dem 20. Jahrhundert belegt und stammt in dieser Bedeutung aus der Seemannssprache.

Tschüs! Daß dies ein Abschiedsgruß ist, weiß ganz Deutschland. Es ist jedoch noch gar nicht mal lange her, da war "tschüs" nur dem Norden vorbehalten und wurde im Rest der Republik vor allem mit den großen Hansestädten in Verbindung gebracht. Nicht zu Unrecht, denn hier kamen viele Seeleute zusammen, unter denen früher der spanische Gruß "a diös" (= zu Gott [befohlen]) verbreitet war. Im Französischen, das in der norddeutschen Sprache auch schon vor der --» Franzosenzeit (1806-14) starken Einfluß genommen hatte, heißt es "adieu". Plattdeutsch wurde jedenfalls "adjüs" (kurz "tjüs") daraus. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts verschliß sich "atschüs!" zu "tschüs!" (im Rheinland wurde "tschö" daraus, in Norddeutschland auch "tschüsing", und manchmal hört man ein häufig etwas modisch-affektiert gesungenes "tschüsi!"

Tüdelband kann ein einfacher, gerade benötigter Bindfaden sein, meint aber üblicherweise einen zusammengeknoteten (Woll-)Faden, den Kinder sich für das Spiel "Abnehmen" in komplizierten Mustern zwischen die Finger spannen. Wer --» in Tüdel kommt oder sich --» vertüdelt, hat verloren. Bekannt ist das Hamburger Lied mit dem Anfang "An de Eck steiht en Jung mit 'n Tüdelband". Hier steht "Tüdelband" jedoch für ein früher weitverbreitetes Jungenspielzeug, das auch "Trünnelband" heißen konnte. Gemeint ist ein Eisenring von etwa einem Meter Durchmesser, der mit kurzen Schlägen zum Rollen gebracht wurde, die hochdeutsche Bezeichnung lautet "Trudelreifen".

Tüdelkram, Tühnkram, Tüdelüt oder Tüdelei sind sämtlich Dinge, die im Gespräch als überflüssig erachtet werden. Zum Teil sinnverwandt ist das nicht mehr verwandte plattdeutsche Wort "dönen", das sich im Wort "Gedöns" (für unsinniges Gerede oder auch für überflüssige Dinge) wiederfindet und als dröhnen weiterbesteht. Wem gesagt wird: "Das ist doch Tühnkram, was du da erzählst" oder "Du tühnst ja", dem wird der Inhalt seiner Reden nicht geglaubt, weil er übertreibt, flunkert oder einfach aufschneidet ("lssoch Tüdelüt, wassu da sachs!" oder "Hör auf mit dein Tüdelei").

Tüte --» nicht in Tüte kommen - --» Tütendreher --» Wucht in Tüten

Tütendreher oder plattdeutsch "Tütendreiher" war eine Bezeichnung für den Krämer und besonders Kolonialwarenhändler. Mit zwei oder drei flinken Handgriffen entstand auf seinem Tresen eine spitzkegelige Tüte, auch in kleinsten Formaten, z.B. für Gewürze. Daher gilt die Bezeichnung "Tütendreher" im engsten Sinne für einen Gewürzkrämer.

tüterig oder tüdelig ist jemand, der aufgrund hohen Alters geistig nicht mehr ganz auf der Höhe ist, leicht --» in Tüdel kommt oder auch "tütert", also Unsinn erzählt.

tutig Wer tutig dies oder jenes tut, der handelt stets in harmlosester Absicht, er zeigt sich naiv, treuherzig und - das ist nämlich fast die Regel - auch treudoof. Für "trantutig" oder die "Trantüte" (siehe --» Tran).

Twiete ist die plattdeutsche Bezeichnung für eine kleine Gasse oder einen schmalen Gang. Häufig verbindet sie zwei größere Straßen.