Sabbelbüdel wird in Hamburg genannt, wer viel redet und dabei häufig auch --» dumm Tüch von sich gibt. "Sabbel" ist im Plattdeutschen ursprünglich ein Wort für Speichel oder Mund, was sich in der Verschmelzung mit dem französischen "Serviette" - und in dieser Bedeutung - als "Sabbeljette" erhalten hat. Einen Vielsprecher gebietet man Einhalt mit: "Halt den Sabbel!" oder "Sabbel dich tot!" Wer noch vor einigen Jahrzehnten jemandem "sabbel" war, der hatte sich mit ihm zerstritten und war ihm böse.

Sabbeljette --» Sabbelbüdel

Santa Fu ist der umgangssprachliche Name für die Justizvollzugsanstalt Surenland. "Fu" steht für den Stadtteil Fuhlsbüttel, in dem 1879 das damalige "Zentralgefängnis" den Betrieb aufnahm und wo die Straße Surenland verläuft.

Scha'snichbeiwas! ist ein besonders schöner Satz aus Dirks Pauluns --» Missingsch. Er heißt auf hochdeutsch "Schade, daß du nicht dabei warst!" und betitelte ein Gedicht im ersten Band seiner "Studien in Hamburger Hochdeutsch" (1950).

Schangs und Schanze "Mit Schangs schaff'ich's noch, alles rechtzeitig zu beschicken", könnte jemand in höchsten Terminnöten sagen, der aber nicht ohne Hoffnung auf ein gutes Ende ist. Das Wort leitet sich von französisch "la chance" (= das Glück) ab. In Hamburg ist es häufig in dieser Bedeutung in Gebrauch, was Auswärtige wundern mag, die mit dem Ausdruck zunächst nüchterne Wahrscheinlichkeitsüberlegungen verbinden.
Chancen im Sinne von guten Gelegenheiten gibt es häufig im Fußball, meistens werden sie jedoch vergeben - sehr zum Ärger der Fans und der "Kritischen Zaungäste". Unter diesem Titel veröffentlichte Dirks Paulun 1951 eins seiner Fußball-Gedichte.
"Flaschee! Schiiieß! - Soon toozichre Schanze! Mußt er doch bloß felengern übem rechtn Außnspann, denn gink er unhaltbar inne linke Ecke. Abe muß den Ball netührch stoppn! Son Rastelli isje nich glücklich, wenne nicht fummeln kann un toischn. Das'je kein Fußball - das'je Spielerei!"

Schanzenviertel oder vor Ort einfach "Schanze": Dieser Begriff entstand erst in den 1980er Jahren. Er bezeichnet das ehemalige Arbeiterwohnquartier in der Altbaugegend um das --» Schulterblatt bis zur Schanzenstraße mit dem Sternschanzenpark samt Wasserturm als Wahrzeichen und ist heute durch junges, multikulturelles Leben, aber auch durch Armut und Drogenprobleme geprägt. Namengebend war die 1682 fertiggestellte Sternschanzenbastion. Ein vierzackig-sternförmiger Vorposten des Verteidigungssystems aus Erdwällen, das Hamburg bis Anfang des 19. Jahrhunderts umgab. Das Viertel erhielt durch anhaltende Hausbesetzungen, zahlreiche Polizeieinsätze und vehemente Protestaktionen, z.B. gegen den Ausbau der alten --» Flora Ende der 1980er Jahre, den Ruf, daß seine Einwohnerschaft "radikal" sei. Für eine Verbesserung der Wohnverhältnisse in dem 15 ha großen Gelände wollen die drei hier aneinandergrenzenden Bezirke Hamburg-Mitte, Altona und Eimsbüttel gemeinschaftlich sorgen.

Schapp kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet Schrank. Heute sind original Hamburger Schapps wertvolle Antiquitäten. Es handelt sich um große, zweitürige Schränke mit kunstvollem Schnitzwerk und weit auskragendem Kranzgesims. Hergestellt in Hamburger Möbeltischlereien, fand der Schapp seit dem 17. Jahrhundert entlang der Niederelbe bis nach Dithmarschen Verbreitung, Das Museum für Kunst und Gewerbe am Steintorplatz besitzt wertvolle Stücke.

Schauerleute Ein Schauermann ist ein Hafenarbeiter, der zusammen in einer Arbeitsgruppe, der --» Gang, für das Löschen (Entladen) und Laden (Beladen) von Seeschiffen zuständig ist. Der Name leitet sich ab von "sjouwen" (= hart arbeiten), und auch im Zeitalter des Containerverkehrs und moderner Technik kann manchmal nicht auf Muskelkraft verzichtet werden. Offiziell sind "Schauerleute" nur ungelernte, meist nur für eine Schicht engagierte Arbeiter, die jedoch auch das korrekte Stauen der Ladung übernehmen, was der Stauervize kontrolliert (--» Vize).

Schaufel --» Handeule

scheesen Wer in Hamburg scheest, der rast.

schettrig oder schetterig Wer schettrig ist, ist blaß, fühlt sich körperlich unwohl und elend. Der Begriff eignet sich auch für die Umschreibung eines Katergefühls.

schick in Nutzung des französischen "chic" steht das Wort im ganzen deutschen Sprachraum für "modisch", "schön" oder "geschmackvoll gekleidet". Die flachere Bedeutung als generell positiv wertendes Adjektiv ist in Hamburg häufig zu hören. Dirks Paulun notierte dazu: "Schick" kann nicht nur ein Kostüm oder sonstiges Kleidungsstück sein. Religionsstunde war "schick". Alles, was gefällt oder in den Kram paßt, wird mit dem Ruf schick! (schääck!) bedacht.

schier Das Wort wird verwendet, um etwas als rein oder makellos zu qualifizieren. Qualitätvolle Stoffe oder auch ein hervorragendes Stück Fleisch - ohne Sehnen oder Knochen - können als schier bezeichnet werden, das gleiche gilt für die besonders glatte Haut eines Menschen, allen voran natürlich die der Babys.

Schiet oder Schietkrom sind zum Fluchen geeignete Begriffe, die es in vielen Variationen gibt (z.B. "Schiet ok" oder "Schietwedder"). Ein bedächtig ausgesprochenes "Schiet" oder "Schiete" sollte aber für Norddeutsche zum Abreagieren ausreichend sein (sollen). So oder so klingen die Wörter deutlich weniger ordinär als ihr hochdeutsches Pendant für Dreck oder Kot im weitesten Sinne ("Scheiße"). In der Anrede "Na, mein kleiner Schieter" (auch "Schietbüdel", vergleiche Butje kommt sogar eine zärtliche Bedeutung zum Vorschein.

Schiffszimmerer ist ein alter Handwerksberuf. Wenn jedoch in Hamburg von den "Schiffszimmerern" die Rede ist, ist die Allgemeine Deutsche Schiffszimmerer-Genossenschaft gemeint. Sie wurde 1875 von Mitgliedern des Deutschen Schiffszimmerer-Vereins gegründet und ist die älteste bestehende Genossenschaft Hamburgs. Zunächst sollten auf eigenen Werften nur Arbeitsplätze gesichert werden, doch dann kam die Aufgabe der Wohnraumbeschaffung dazu. Die "Schiffszimmerer" bewirtschaften heute in Hamburg und Umgebung über 8000 Wohnungen.

Schmidt Schnauze --» Flutkatastrophe

Schmooktaim! ist die Ankündigung einer kurzen Arbeitspause. Sie dauert regulär etwa halb so lang wie --» Fofftein, genaugenommen eine Zigarettenlänge oder "Rauchzeit", wie die Übersetzung des englischen Ursprungswortes lautet. Noch kürzere Unterbrechungen einer Tätigkeit zum "Verpusten" ließen sich mit "Ma'eben Aumblick Pause!" einleiten.

Schmuddelwetter herrscht bei schwachem Wind, hohem Luftdruck, tief hängender, dichter Wolkendecke und gegebenenfalls leichtem Niesel- oder Sprühregen. Besonders häufig zieht Schmuddelwetter im Herbst auf, es kann aber bei jeweils unterschiedlichen Temperaturen zu allen Jahreszeiten entstehen. Daß Hamburg generell die "Traufe Deutschlands" ist (weil das Wetter hier in einer Hälfte des Jahres schlecht sei, während es in der anderen regne), läßt sich wissenschaftlich schwer beweisen, wird aber vor allem von Zugereisten aus milderen oder beständigeren Klimazonen häufig so empfunden und von der Mehrzahl der 1,7 Millionen Einwohner der Stadt gern bestätigt.

Schnack oder Snack leitet sich ab von "snacken", dem plattdeutschen Wort für "sprechen". Ein Schnack ist ein zumeist regionaltypischer Spruch, eine Redewendung, manchmal nur ein Wort, oder, um es ganz genau auszudrücken: "was man eben in Hamburch so sacht" So dürftig diese Erklärung klingen mag, so treffend ist sie. Die verschiedenen Gesellschafts-, Sprach- und Altersschichten haben jeweils ihre eigenen Schnacks. Mit "schnoopen", "Schnoopkrom", "Scholle sein", "springlebennich" und "überwech sein" finden sich jedenfalls gleich eine ganze Handvoll in den nächsten beiden Artikeln.

schnoopen heißt "naschen", und "Schnoop" oder "Schnoopkrom" ist somit wie Naschen ein Wort für Süßigkeiten. "Schnoop" zu kaufen, gehört bekanntlich zu den schönsten Beschäftigungen von Kindern, ob es nun für einen Ausflug ist oder nur zur Versüßung des täglichen Schulwegs ("Hass noch Schnoopkrom?").

Schnutenfeger --» Putzbüdel

Scholle sein Wer Scholle ist, ist völlig ausgelaugt, total im Eimer - platt wie der namengebende Fisch eben, der übrigens im späten Frühjahr als Maischolle besonders lecker ist und garantiert neue Kräfte weckt. Er sollte möglichst so frisch sein, daß der Verkäufer ihn als "springlebennich" anpreisen kann. Damit zerstreut er zugleich die von Stirnrunzeln begleitete Überlegung des Kunden, ob die Ware vielleicht schon "überwech sein" könnte, nämlich über das Datum ihrer besten Qualität.

Schottsche Karre ist in Hamburg die Bezeichnung für einen zweirädrigen Handkarren, der über Jahrhunderte als vielseitiges Transportmittel in der Stadt allgemeine Verwendung fand. Der namentliche Ursprung hängt mit den Anfang des 17. Jahrhunderts in Hamburg eingeführten Karrenstrafen zusammen. "Zur Karre" verurteilte Sträflinge mußten einen schweren Wagen durch die Straßen ziehen und den Müll abfahren. Michael Schott, ein ehemaliger Karrensträfling, blieb vermutlich als Aufseher nach seiner Entlassung seinem bisherigen Metier treu.

Schulterblatt heißt heute eine im 17. Jahrhundert als "Im Schulterblatt" benannte Straße. Ein findiger Wirt hatte sich seinerzeit das Schulterblatt eines Walfisches von einem der zahlreichen Hamburger Walfänger mitbringen lassen, es bunt bemalt und als Aushängeschild vor die Tür gehängt. Die 135 Hausnummern des heutigen Schulterblatts liegen auf dem Gebiet von insgesamt vier Stadtteilen (St. Pauli, Altona Altstadt, Altona-Nord und Eimsbüttel).

Schuten sind die Lasttiere des Hafens. Die breiten Boote ohne Kiel und Motor tragen bis zu 250 Tonnen Ladung. Früher handelte es sich um abgetakelte --» Ewer weshalb auf den Berufsstand der Führer einer Schute auch der Name --» Ewerführer überging. Er kann sein Gefährt in flachem Gewässer durch Staken mit dem Peekhaken fortbewegen, ansonsten ziehen kleine Hafenschlepper die Schute.
Von Mai bis Oktober ist eine 1913 gebaute Kastenschute des Museums der Arbeit im Nikolaifleet an der Deichstraße zu besichtigen.

Schwanenvater --» Alsterschwäne

Schwarze Gang Der englische Ausdruck "Gang" (--» Gang) für eine Gruppe von Arbeitern ist auch im Hamburger Hafen eine übliche Bezeichnung für die zusammen in einer Schicht arbeitenden Männer. Zur "Schwarzen Gang" gehörten die Ausübenden der besonders schmutzanfälligen Berufe wie z.B. die "Ketelklopper", die die festgebrannte Dreckschicht im inneren der Dampfkessel mit Hammer und Meißel und später mit Schlaghämmern entfernen mußten. Dementsprechend waren die "schwarzen Schauerleute" für den Umschlag von Kohlen zuständig.
Heute wird der Ausdruck "schwarze Gang" nur noch auf die Mitarbeiter des Schiffsdurchsuchungstrupps des Wasserzolidienstes angewandt. Nicht sicher ist, ob in ihrem Fall die Bezeichnung darauf anspielt, daß sie in den Tiefen der Schiffe auf Staub und Schmutz stoßen, oder auf die schwarzen Uniformen, die ihre britischen Kollegen nach der Gründung der Einheit während der britischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg trugen.

Sechslingspforte heißt heute eine Straße zwischen den Stadtteilen St. Georg und Hohenfelde. Als "Sechslingspforte" bezeichnete der Volksmund die "Alsterpforte", eine 1852 eingerichtete Zahlstelle für ein Wegegeld. Sie befand sich an einem neu angelegten Fußweg von der Lohmühle zur Uhlenhorst bei einer Brücke über den ehemaligen Wallgraben der Befestigung St. Georgs. Die 1864 abgebrochene Sechslingspforte wurde nach dem Geldstück für sechs Pfennige, dem Sechsling, benannt, der zum Passieren entrichtet werden mußte.

Senatsgehege Daß in Hamburg ein Begriff, der Auswärtige unwillkürlich an die Verwahrung wilder Tiere erinnert, in Zusammensetzung mit der Landesregierung zur Anwendung kommt, hat sprachhistorische Gründe. Die Beschränkung des Begriffs "Gehege" auf Wildhaltung ist noch nicht sehr alt. In früheren Zeiten meinte man damit lediglich einen abgegrenzten Bereich. Dies "Gehege" gab es schon im um 1290 errichteten Rathaus am --» Neß an der --» Trostbrücke. Dabei handelte es sich um ein Geviert, in dem das Gestühl der hier tagenden Ratsherren stand. Es galt als befriedet, das heißt, niemand durfte in Waffen vor den Rat treten. Weil sich 1860 die offizielle Benennung des Rates in Senat geändert hatte, erhielt auch der engere Bereich des Senats im neuen, 1897 eingeweihten Rathaus die Bezeichnung "Senatsgehege".

Slamaitjenbrücke ist ein schon im 17. Jahrhundert belegter Name, der seit 1960 offiziell den Brückenabschnitt der Ost-West-Straße über dem Alsterfleet bezeichnet. In einer Verbindung des plattdeutschen "slampig" (= unordentlich, schlampig) mit "Maitje" (= Mädchen) sollte der Name auf das lose Weibsvolk anspielen, das in dieser Gegend seinem Gewerbe nachging.

Smuttaal --» Aal

Snuten un Poten bedeutet "Schnauzen und Pfoten", und zwar vom Schwein, als Eintopf gekocht und zusammen mit Pürree auf dem Teller serviert. Nicht jeder Hamburger muß dies Gericht mögen, aber es kann nichts schaden, es zu kennen oder, noch besser: es probiert zu haben. "Snuten un Poten" war auch der Titel eines Couplets und späteren Hamburger Gassenhauers der Gebrüder Wolf, das sie 1911/12 in der Revue "Rund um die Alster" sangen.

Söten "Söt" (oder "seut") lautet das plattdeutsche Wort für "süß", und ein "Söten" meint nichts anderes als "Kuß" oder "Küßchen".

sollen kann im hamburgischen Sprachgebrauch auch die Bedeutung von "sein sollen", von "so gehören" annehmen. Der Ausspruch: "So ist das eben!" kann also auch als achselzuckendes "Soll ja wohl!" zum Ausdruck gebracht werden Vera Möller überlieferte diesen --» Schnack in der Klein-Erna-Geschichte "Der Schwan":
"Mamma sitzt auf ne Bank an der Alster und Klein Erna geht in die Anlagen spazieren. Mamma strickt zwei schlicht zwei kraus und will gaanich gestört werden... Und wie da mit 'n mal 'n großer Schwan angeschwommen kommt, da ruft Klein Erna: 'Mamma, Mamma, kuck mal den Schwaan, der hat aber 'n langen Hals!' Mamma: 'Den laß man, Klein Erna, der sollja wohl."'

Sottje ist eine volkstümliche Bezeichnung für einen Schornsteinfeger. Sie leitet sich ab von der Koseform des plattdeutschen Wortes "Sott", das für den angesetzten Ruß steht.

spaddeln kommt von "zappeln" und bedeutet soviel wie "ungelenke Bewegungen machen". Wer z.B. ins Wasser fällt und nur unzureichend schwimmen kann, spaddelt so lange darin herum, bis er wieder festen Grund unter den Füßen hat oder herausgezogen wird.

Spickaal --» Aal

spiddelig oder spittelig Wer dies, auf sich gemünzt, zu hören bekommt, wird wegen seines mageren, "kümmerlichen" Körperbaus verspottet. Mit dürren Armen und Beinen (auch Scheren genannt) ist man spiddelig und ein hagerer Mensch somit im ganzen ein Spiddelfink oder Spittelfips.

Spökenkieker Ein Spökenkieker (oder Speukenkieker) ist ein "Spukseher". Wenn dieser Begriff fällt, geht es jedoch meist nicht um etwas Geheimnisvolles, sondern es wird von jemandem die Rede sein, der zweifelhafte bis unsinnige Geschichten von sich gibt, Spökenkiekereien eben.

springlebennich --» Scholle sein

St. Liederlich ist ein alter Name für den Stadtteil St. Pauli, der in diesem Zusammenhang wiederum als "auf St. Pauli" für das Amüsier- und Rotlichtviertel steht. Deutlich genauer differenzierten früher die Begriffe "St. Lustig" (für "Amüsemang") und "St. Liederlich" (für die Bordellbereiche). Im Viertel links und rechts von --» Reeperbahn und Spielbudenplatz wuchs um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Amüsierbetrieb stark an, und es entstanden zahlreich neue Häuser für Kneipen, Restaurants, Stimmungs- und Tanzlokale, Volkstheater, Varietes, Konzertveranstaltungen und Bordellwirtschaften, vor allem in den Seitenstraßen. Immer neue Attraktionen wurden präsentiert, und es erforderte Durchhaltevermögen, wenn man von einer Revue im --» Trichter bis Paul Beckers Hippodrom in der --» Großen Freiheit nichts auslassen wollte. Heute bevölkern Abend für Abend und besonders an Wochenenden Scharen von Touristen die Straßen mit den berühmten Namen wie Reeperbahn, --» Herbertstraße oder --» Große Freiheit. Mittlerweile hat sich neben den Sexshops, Peepshows und Automatenspielhallen auf dem --» Kiez ein vermehrtes Angebot an Kneipen und Bühnen für Theater, Kleinkunst und Kabarett etabliert, das ihn zusehends auch wieder für das Hamburger Publikum attraktiv macht.

St. Lustig --» St. Liederlich

staatsch ist plattdeutsch und heißt "stattlich, ansehnlich". "Ein staatscher --» Kerdel" oder "eine staatsche Frau" machen aber nicht nur äußerlich, sondern rundum einen "anstännigen Eindruck".

Stadt Hamburg an der Elbe Auen... --» Hammonia-Lied

Stint Plattdeutsch hört man manchmal, jemand freue sich "as so'n Stint!" Warum es möglich ist, daß sich jemand wie der kleine, zu den Lachsfischen gehörende Fisch freuen kann, hat einen literarischen Hintergrund. Den Anstoß gab ein wonnig-kleines Frühjahrsgedicht, das 1797 im "Neuen Berliner Musenalmanach" erschien:
"Oh sieh! wie alles weit und breit, Von lindem Schmeichelwind
Mit Wonneblüten überstreut,
An warmer Sonne minnt!
Vom Storche bis zum Spatz sich freut, Vom Karpfen bis zum Stint!"
Daß nicht der Karpfen, sondern der als "Kleine-Leute-Fisch" geltende Stint zum Gradmesser der Fröhlichkeit wurde, könnte durchaus in Hamburg beschlossen worden sein. Hier sang man den aus einem Theaterstück entsprungenen Gassenhauer "An de Eck von Steenstrat steit ne Olsch un verkauft Stint", und am Fuße eines der schönsten Hamburger Plätze, dem Stintfang (--» Hafen-Balkon), soll er zusammen mit unzähligen seiner Artgenossen im Wallgraben herumgeschwommen sein.

Streek lautete der Name des Alsterlaufs zwischen Fuhlsbütteler Schleuse und --» Außenalster. Nur die 1904 benannte Streekbrücke zwischen Winterhude und Harvestehude und der dort gelegene gleichnamige Anleger der Alstertouristik (--» Alsterschippem) halten die Erinnerung an ihn wach, da der Fluß seit der Kanalisierung (1914) auch auf diesem Teil als "Alster" fließt.

Stuten hießen ursprünglich nur längliche, in einem Wörterbuch auch als "oberschenkelförmig" bezeichnete Weißbrote, der Begriff wurde dann aber als generelle Bezeichnung für feinere Weißbrote oder sogar --» Rundstücke verwendet. Stuten wurden - und werden - in verschiedensten Variationen gebacken, bis hin zu "Buntem Stuten" mit vielen Eiern, Butter, Rosinen und Korinthen (Kindermund: "Krinten"), der in Hamburg eigentlich als --» Klöben bezeichnet wird.
In Norddeutschland muß man übrigens nicht erst mühselig Eulen nach Athen tragen, um jemandem etwas zu geben, über das er schon reichlich verfügt, sondern hier heißt es einfach plattdeutsch: "Dat weer ja noch schöner: Bäckerkinner Stuten geven"

suhtje Statt mit dem hochdeutschen "sachte, sachte" können in Hamburg auch mit dem Ausspruch "suhtje, suhtje" oder "Man gaanz suhtje" all diejenigen gebremst werden, die störende Hektik verbreiten (ebenso: --» man sinnig). Ein mit Bestimmtheit ausgesprochenes "Suhtje" kann gegen einen drängelnden Bittsteller auch heißen: "So nich mit mir jezz weiter wie ich sach"