nach sein, nach haben, nachlassen in Hamburg lautet die Frage nach dem verbliebenen Rest einer Sache häufig nicht, ob noch etwas "übrig" sei, sondern: "Ist noch was nach?" Oder: "Wieviel Tage Urlaub hast du noch nach?" Wer etwas nicht tun soll, soll es nicht unter- sondern nachlassen: "Laß das nach!" ("Lassas nach!")

Nachbrandarchitektur ist ein Begriff für den Teil der hamburgischen Architektur, der nach dem --» Großen Brand von 1842 errichtet wurde und dabei den Stil aufweist, der seine prominenteste Ausführung mit den Alsterarkaden an der Kleinen Alster erfuhr (Alexis de Chateauneuf, fertiggestellt 1846). Nachbrandarchitektur zeichnet sich durch eine Vermischung des damals modernen Rundbogenstils mit zumeist klassizistischen Formelementen aus. Der überwiegende Teil der vorderen Gebäudefassaden war hell verputzt, aber auch die ihren roten Backstein zeigende Alte Post gehört z.B. zur "Nachbrandarchitektur".

Ebenso kann der Begriff auf die städtebauliche Neuplanung Hamburgs zu dieser Zeit angewandt werden. Ihr Kennzeichen sind neben der architektonischen Gestaltung des Rathausmarktes das Kanalisationsnetz und die geordnet angelegten breiten Straßen mit zumeist gleichmäßigen Höhen der traufständigen Gebäude.

Nachtjackenviertel Mit "Nachtjacke" bezeichnete man ursprünglich einmal das, was man nachts im Bett am Leibe trägt. In Hamburg steht der Begriff "Nachtjackenviertel" jedoch für die dunklen Höfe und Hinterhäuser der --» Gängeviertel, 1909 wurde "Das Nachtjackenviertel " der Titel eines Erfolgsstücks im St.-Pauli-Theater, das damals noch Ernst-Drucker-Theater hieß. Der gefeierten Premiere folgten über ein Jahr lang tägliche Vorstellungen. Ort der Handlung war das Gängeviertel rund um den Michel in der südlichen Neustadt. Es wurde bis 1914 fast vollständig abgerissen, das Gängeviertel östlich der Straße Kohlhöfen folgte 1933-37.

Naschen kaufen sich Kinder auf dem Schulweg von ihrem Taschengeld, aber auch die meisten Erwachsenen naschen gerne Naschen, nämlich Süßigkeiten (--» Schnoopen).

Naucke - Holl di! --» Holl di!

nech? Jeder Mensch wünscht sich Zustimmung, und zwar so oft es eben geht, am liebsten nach jedem Satz, der ihm so über die Lippen kommt, nech? "Nech" oder "nich" hören Hamburger statt des hochdeutschen "Nicht wahr" so oft, daß sie es längst nicht mehr wahrnehmen - oder doch erst dann, wenn sie in anderen deutschen Gegenden darauf angesprochen werden, gelte, newoa, ne-wah oder newwa?

Neß stammt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet soviel wie "Landzunge". Eine Hamburger Ur-Straße in der Altstadt erhielt einst diesen Namen, da sie auf dem Ende der früheren Reichenstraßeninsel verläuft. Auch die nordwestliche Spitze von Finkenwerder und ein Elbsand ("Neßsand") tragen diesen Namen. Weitaus berühmter wurde der Begriff jedoch durch eine "blanke Neß". Gemeint ist natürlich die weiße, sandige Landzunge, von der eine kleine Hangsiedlung am Geestrücken ihren Namen "Blankenese" erhielt. Hier wohnten lange vornehmlich Fischer, Seeleute und Lotsen, bis Blankenese im 19. Jahrhundert zeitweilig Heimathafen für eine größere Anzahl von Schiffen wurde, als sie die gesamte Hamburger Reederschaft unterhielt. 1867 wurde das holsteinische Blankenese preußisch, 1927 nach Altona eingemeindet und kam 1937 an Hamburg. Ende des letzten Jahrhunderts wandelten sich weite Teile zu einem Hamburger Villenvorort. Insgesamt jedoch ist ein dörflich-malerisches Ambiente erhalten geblieben, das Blankenese zu einer der schönsten Hamburger (Wohn-)Ecken macht.

nicht in Tüte kommen darf, was "keinesfalls in Betracht kommt", was "unannehmbar" ist. Den weiblichen Artikel "die" vor "Tüte" zu sprechen, bürgerte sich erst mit der weiteren Verbreitung des Hamburger Schnacks ein. "Kommt gaanich in Tüte, daß wir all sonn neumodschen Kroms mitmachn, zunn Beispiel wie inn hochdeutsche Versioon vonne Redewendung 'n die vor Tüte sprechen!"

nix für können, nix an machen und nix auf geben "Nix" steht plattdeutsch für "nichts". In drei Kombinationen erklingt es im Hamburger Hochdeutsch besonders prägnant: Wer in einer Angelegenheit jegliche Verantwortung ablehnt, bringt dies durch den Ausspruch "Da kann ich nix für" zum Ausdruck, als kopfschüttelnder Kommentar zu einer hoffnungslosen, nicht mehr zu ändernden Tatsache eignet sich: "Da kannsu nix anmachen" (plattdeutsch: "Dor kannst' nix bi moken"), und wer von etwas nichts hält, sagt: "Da geb' ich nix auf!" daran, darauf...

nölen oder "nödeln" entstammt dem Plattdeutschen und steht für "maulig" oder sogar --» mucksch sein, vielleicht deshalb auch für "langsames Arbeiten", das auch lautmalerisch gut passen würde. Solch träges Tun wird auch als "nuddeln" bezeichnet, ein "Nuddelbüdel " ist also jemand, auf den man ewig warten kann.

Nuddelbüdel --» nölen

Nüdelkastenlüüd ist die plattdeutsche Bezeichnung für Leierkasten- oder Drehorgelleute. Vor Anbruch des multimedialen Zeitalters sorgten sie für musikalische Unterhaltung in den Straßen, wenn auch nur aus der Konserve und nicht handgemacht wie die --» Pankokenkapellen.