Gängeviertel ist ein Begriff für die sich vom 17. bis ins 19. Jahrhundert fortwährend verdichtenden Wohnviertel der Mittel- und Unterschichten in der Hamburger Alt- und Neustadt. In dem Maße, wie die Stadtbevölkerung wuchs, wurden die oft nur wenige Meter breiten Straßen, die Gänge, immer verwinkelter und die (Fachwerk-)Häuser zur Schaffung weiterer Wohnflächen enger und höher gebaut und umgebaut. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann langsam der Abriß der Gängeviertel, die mittlerweile völlig verelendet waren. Hier fand die --» Cholera 1892 ihre reichste Ernte. Das letzte Quartier wurde Ende der 1930er Jahre in der Neustadt niedergelegt.

Gang
1. "Gang" war die Bezeichnung für eine der kleinen, geschlossen bebauten Straßen, die durch ein --» Gängeviertel führten.
2. "in Gang sein" bedeutet "mit einer Sache beschäftigt sein", und dementsprechend ist "Komm inne Gang!" (oder "Komm inne Gänge!") die Aufforderung, mit etwas anzufangen oder einfach sich in Bewegung zu setzen.
3. Das englische Wort "gang" ("gäng") für eine kleine Gruppe fand Eingang in die Sprache des Hafens. Hier meint es die in einer Schicht zusammenarbeitende Gruppe von Männern (--» Schwarze Gang). "Gangway" heißt übrigens englisch "Landgang" und bezeichnet auch die aufrollbare "Jakobsleiter" mit hölzernen Sprossen, die über die Reling an der Bordwand heruntergelassen wird, oder die seitlich auf den Kai abgesenkte Treppe.

geboren und gebürtig konnten als Begriffe noch vor wenigen Jahrzehnten auch in Hamburg eine mitunter schroffe Unterscheidung darstellen, zumindest in der gehobenen Bürgerschicht der Stadt. Durfte sich z.B. Frau Soundso "eine Geborene" nennen, entstammte sie einer zumindest halbwegs bekannten, schon länger in der Stadt ansässigen Familie der Oberschicht, während bloß "gebürtigen" Hamburgern der Eingang in die Kreise der feineren Gesellschaft nicht ohne weiteres gewährt wurde.

gediegen bezeichnet im hochdeutschen Sprachgebrauch etwas von unbestreitbarem Wert, etwas Reines und Gutes, das stets waschecht ist. Dem Hamburger jedoch scheint soviel Positives offensichtlich ein wenig suspekt zu sein, denn in der Hansestadt kann dem Ausdruck auch die Bedeutung von "nicht ganz koscher" oder "merkwürdig" zukommen: "Was der alles so von sich erzählt, dascha gediegen." Auch ein Ausruf des Erstaunens kann lauten:"Ischa gediegen!"

Gedöns --» Tüdelkram, Tühnkram, Tüdelüt oder Tüdelei

Geht los! oder plattdeutsch "Geiht los!" ist eine Variante des Schnacks --» Mookt wi! Es steht für den Satz: "Ich beginne" (oder: wir beginnen) in diesem Augenblick mit der Erledigung der Sound-so-Angelegenheit.

Glitsche ist der Begriff für eine Eisbahn, auf der nach kurzem Anlauf stehend entlanggeglitscht ("gerüscht") wird. Sie kann ebenso durch Beiseiteräumen von Schnee auf zugefrorenen Gewässern entstehen wie auf Fußwegen oder Straßen durch Ausschütten von Wasser angelegt werden. Wer auf der Glitsche glitscht, dem soll man nicht in die Quere kommen! (--» Platz vor der Glitsch!)

glupsch guckt der, dessen Gesichtsausdruck (Hinter-)Gedanken nicht verheimlichen kann. Die Augen werden schmaler, wenn er lauernd irgendwelche tückischen Absichten verfolgt, oder größer, wenn sein plötzliches Begehren einer Sache unfreiwillig offensichtlich wird.

gnadderig oder gnatterig ist der, der unzufrieden und somit nörgelig ist.

gnatzig bedeutet "ärgerlich" oder "gereizt", und wer einen solchen Eindruck macht, ist ein "Gnatzkopf".

Grabbelbüdel wird eine kleine mitgeführte Tasche genannt, in der ihr Besitzer alles mögliche hineinsteckt und mit sich herumträgt. Um eine Utensilie herauszufischen, muß er darin herumgrabbeln, was hochdeutsch etwa mit "wühlen" oder "fingern" übersetzt werden könnte. Viele "Hamburger Schnurren und Denkwürdigkeiten" hatte der Jurist und Autor Franz Theodor Mönckeberg in seinem Grabbelbüdel gesammelt. Als er 1950 genug hatte, schüttete er den Inhalt in ein kleines Buch hinein und nannte es treffend "Grabbelbüdel" (zweite Auflage unter dem Titel "Hamburger Kaleidoskop" 1954).

Grappen "He het allwedder Grappen in'n Kopp!" ist plattdeutsch und würde jemandem gelten, der Grillen, Schrullen, Flusen oder sonstwie bezeichnetes sonderbares, närrisches Tun oder Reden an den Tag legt. "Grappen" kann aber auch einfach für jedwede "spaßige Einfälle" stehen. Die Herkunft des Wortes ist nicht belegt.

Grimm heißt eine als "Im Grimm" schon 1248 erwähnte Straße im Stadtteil Altstadt zwischen Gröninger- und Katharinenstraße, nahe der Katharinenkirche. Zugleich bezeichnet der wohl auf einen frühen Anwohner zurückgehende Name die dem --» Cremon östlich benachbarte ehemalige Alstermarschinsel, die sich im 13. Jahrhundert mit ihr zum --» Kirchspiel St. Katharinen zusammenschloß. Der Volksmund entwickelte aus dem Straßennamen die Frage, wo (nicht: wie) Kain seinen Bruder Abel erschlagen habe, Antwort unter Hinweis auf die entsprechende Stelle in der Bibel: "Im Grimm". Im Verlauf des 19. Jahrhunderts hieß die Straße dann nur noch "Grimm".

Grog ist ein typisch norddeutsches Heißgetränk, das sich an kalten Tagen bestens zum Aufwärmen eignet. Im alten Hamburg war es viel weiter und vor allem ganzjährig verbreitet, besonders in den unzähligen Hafenkneipen (--» Vorsetzen). Das ausführliche Rezept faßt ein uralter --» Schnack völlig ausreichend zusammen: Rum muß, Zucker darf, Wasser kann. Der "steife Grog" wird kurz "Stieben" genannt.

Große Freiheit ist eine legendäre Altonaer Straße, die erst 1949 dem Stadtteil St. Pauli und somit dem Bezirk Hamburg-Mitte zugeschlagen wurde. Ihr Name und der der parallel verlaufenden, 1688 so benannten Kleinen Freiheit erinnern daran, daß Altona ab 1611/12 in diesem Bezirk volle Freiheit in Glaubens- und Gewerbeangelegenheiten anbot - sehr zum Ärger des Hamburger Handwerks (--» all to nah). Ihre Berühmtheit verdankt die Straße vermutlich vor allem dem 1944 entstandenen Film "Große Freiheit Nr. 7", in dem der Hamburger Hans Albers als Hannes Kröger seine Lebensrolle sang und spielte. Schon einige Jahrzehnte zuvor hatte das Amüsierleben dem Arbeiterviertel ein verändertes Gepräge gegeben. Hier betrieb z.B. Paul Becker sein Hippodrom, in dem bemitleidenswerte Ponys die Gäste zur Musik im Kreis herumtrugen.
In der Rock-'n'-Roll-Szene der ganzen Welt bekannt wurde die Freiheit in den 1960er Jahren durch den Star-Club. Hier feierten neben vielen anderen auch die Beatles ihre ersten Erfolge. Als er schloß, zog auch in seine Räume die Erotik- und Sex-Unterhaltung ein, die heute einen Großteil der abends für den Autoverkehr gesperrten Straße beherrscht.

Großer Brand 51 Tote, 130 Verletzte, 1750 zerstörte Gebäude und somit rund 20000 obdachlose Hamburgerinnen und Hamburger wurden nach der Katastrophe des Großen Brandes vom 5. bis zum 8. Mai 1842 gezählt. Angefangen hatte alles mit einem Speicherbrand in der Deichstraße 38. Vorausgegangene Trockenheit und anhaltender Wind ließen ein Großfeuer entstehen, das sich Richtung Norden und Osten seinen Weg durch die Stadt fraß. Auch die Sprengung des Alten Rathauses hatte keine so große Schneise geschaffen, als daß sie den Brand hätte stoppen können. Erst am Morgen des 8. Mai kamen die Flammen auf Höhe der heutigen Straße Brandsende endgültig zum Stillstand. Die Nachricht vom Großen Brand wurde Zeitungsschlagzeile in ganz Europa, und von überall her erreichten spontane Hilfssendungen die Stadt.

Großer Burstah heißt eine der Hamburger Ur-Straßen, die im 14. Jahrhundert als "Bei dem Burstah" belegt ist. Sie geht zurück auf den ältesten, die untere Alster stauenden Mühlendamm der Stadt. Er entstand am Ende des 12. Jahrhunderts. Die Silbe "bur" bedeutet "Bauer" oder "Bürger", "stah" oder "stat" soviel wie "Ufer" oder "Gestade". Der Große Burstah ist also ein Bürgerufer, auf dem nach seiner Fertigstellung selbige vermutlich nicht ohne Stolz entlanggingen. Einer --» Spökenkiekerei nach soll der Name im Zuge eines hier zwischen Brauerknechten und Bauern ausgetragenen Kampfes aufgekommen sein. Den flüchtenden Bauern hätten die Brauer ein "Bur stah!" ("Bauer, bleib stehen! ") hinterhergerufen.

Groß-Hamburg Ähnlich wie 1920 aus der deutschen Hauptstadt durch die Eingemeindung von insgesamt sieben Städten und zahlreichen Vororten ein Groß-Berlin geschmiedet worden war, entstand infolge des Groß-Hamburg-Gesetzes von 1937 auch ein Groß-Hamburg. Die Stadtfläche wuchs bis zum April des folgenden Jahres um rund 80 Prozent, die Einwohnerzahl stieg um 40 Prozent auf fast 1,7 Millionen Menschen. An Hamburg fielen die bisher preußischen Stadtkreise Altona, Wandsbek, Harburg-Wilhelmsburg und zahlreiche Landgemeinden. Im Gegenzug verlor die Hansestadt unter anderem ihre beiden Städte Cuxhaven und Geesthacht an die preußischen Provinzen Hannover und Schleswig-Holstein. Der Widerstand vor allem der süderelbischen Gebiete war im NS-Unrechtsstaat zur Erfolglosigkeit verdammt, und ein gewaltiger Wirtschafts- und Verwaltungsraum links und rechts von Alster und Elbe kam unter die Regie des Hamburger Reichsstatthalters.

Grünhöker werden in Hamburg die Betreiber von Grünläden, also Obst- und Gemüseläden, genannt. Da sich jedoch die "Hökerei" der "Höker", wie der plattdeutsche Begriff für Kleinhändler lautet, in der Regel nicht mehr zu lohnen scheint, finden die Betriebe kaum noch Nachfolger. Vor allem türkische Geschäftsinhaber haben das Marktsegment für sich entdeckt und weitgehend besetzt. Wer also schnell an der Ecke noch ein paar --» Wurzeln oder sonst etwas --» einholen möchte, geht heute vermutlich eher zum "Türken" als zum "Grünhöker".

Grus und Mus Grus (wie Mus mit langem "u" gesprochen) ist die zerkleinerte, zerbröselte Form einer Sache, z.B. Bruchstein, Schutt oder der Zucker in der Dose. Wenn es aber von einer Sache heißt, es sei von ihr nur noch Grus und Mus übriggeblieben, dann ist vermutlich gar nichts mehr "mit ihr los", denn die Redewendung bedeutet soviel wie "Schutt und Trümmer". Aber auch im Sport kann ein Wettkampf so kraß ausfallen, daß ein Kontrahent zu "Grus und Mus gehauen" wurde.